Mit dem Bike von den Alpen zur Nordsee – Marco Bscheidl & Marcus Schneider auf Trans‑Deutschland‑Tour
14 Tage. 1.655 Kilometer. 7.800 Höhenmeter. 1 großes Ziel.
Marco Bscheidl, langjähriges Mitglied des TV Zwiesel und passionierter Sportler, hat sich zusammen mit seinem Freund Marcus auf ein außergewöhnliches Abenteuer begeben: Einmal mit dem Fahrrad von ganz im Süden Deutschlands – dem Haldenwanger Eck in den Allgäuer Alpen – bis zum nördlichsten Punkt der Bundesrepublik auf Sylt.
Was sich wie ein Fernreisetraum anhört, war eine selbst geplante, durchgezogene Mammuttour quer durch Städte, Landschaften, Wetterkapriolen – und Deutschland in seiner ganzen Vielfalt.
Prolog & Etappe 1: Haldenwanger Eck → Immenstadt (63 km | +600 Hm)
Der Auftakt dieser besonderen Tour ist zugleich ihr erster Höhepunkt: Nach der Anreise mit dem Zug nach Plattling und einem Shuttle bis Oberstdorf geht es zunächst zu Fuß – mit dem Rad auf dem Rücken – die letzten 540 Höhenmeter zum Haldenwanger Eck, dem südlichsten Punkt Deutschlands. Die letzten Kilometer sind steiler als erwartet, doch die Ruhe am Grenzstein zwischen Österreich und Bayern ist eindrucksvoll. Der offizielle Startschuss fällt beim Abstieg zurück zum Rad: „Ab hier rollen wir nur noch bergab bis zur Nordsee!“
Die anschließende Fahrt über Sonthofen und entlang des Großen Alpsees verläuft bei bester Stimmung. In Immenstadt angekommen, springt Marcus in den See, während Marco den Sonnenuntergang auf der Bank genießt – ein perfekter Einstieg.
Etappe 2: Immenstadt → Memmingen (90 km | mäßig flach)
Der zweite Tag beginnt rasant. Auf dem Illerradweg geht es fast schnurgerade über fein geschotterte Wege, ideal zum Kilometerfressen. Ein erfrischender Abstecher zum Niedersonthofener See, danach ein erster kultureller Stopp in Kempten, wo noch die letzten Takte des Stadtfestes erklingen.
Ein weiteres Highlight folgt in Illerbeuren mit der imposanten Illerdurchbruch-Schlucht – und Drohnenaufnahmen. Kulinarisch stärken sich die beiden mit Kaffee und Kuchen am Gromerhof. Bereits um 14:30 Uhr wird Memmingen erreicht. Die Altstadt und das beeindruckende Rathaus lohnen den Besuch. Im Hotel dürfen die Räder ausnahmsweise mit ins Zimmer – ein Luxus für Rad und Mensch.
Etappe 3: Memmingen → Heidenheim (120 km | hügelig)
Trotz Dauerregenwarnung bleibt es trocken – ein erster Glücksgriff. Nach einem Bad im See (nur Marcus), einem Abstecher in den Bikeshop (Bremse lockern), geht es weiter nach Ulm mit Besichtigung des Ulmer Münsters und Bummel durchs Fischerviertel.
Von dort beginnt der abenteuerlichere Teil: Waldwege, naturbelassene Pfade, und die geschichtsträchtige Bocksteinschmiede sowie die Bärenhöhle – Orte, die bereits vor 50.000 Jahren besiedelt waren. Heidenheim empfängt die Radler mit Abendlicht. Der berühmte Wäscherbrunnen wird nur im Vorbeifahren wahrgenommen – der Hunger siegt, der Ouzo beim Griechen rundet den Tag ab.
Etappe 4: Heidenheim → Rothenburg ob der Tauber (113 km | hügelig & windig)
Diese Etappe fordert: zunächst Nieselregen, dann strahlender Sonnenschein – aber ein konstanter, starker Gegenwind begleitet die Fahrer über die “Rolling Hills” der Schwäbischen Ostalb.
Stationen: der märchenhafte Brenztopf bei Königsbronn, politischer Austausch mit einem Tischnachbarn beim Kaffeestopp in Ellwangen und ein energiegeladener Zwischensprint über die Tauberquelle bei Crailsheim. Die letzten Kilometer sind ein Spiel von kurzen Anstiegen und langen Abfahrten.
In Rothenburg ob der Tauber angekommen, sind sich beide einig: So stimmungsvoll und geschlossen mittelalterlich präsentiert sich kaum eine Stadt. Beim Abendessen in einer Kellerschenke, beleuchtet von Kerzenlicht, klingt ein unvergesslicher Tag aus.
Etappe 5: Rothenburg → Rieneck (124 km | moderat)
Nach einem gemütlichen Frühstück führt der Weg in Richtung Ochsenfurt – wieder ein Ort mit intakter, historischer Altstadt. Weiter geht’s nach Würzburg, wo ein kleines Missgeschick passiert: ein Sturz beim Losfahren vom Stand.
Trotzdem geht’s weiter: Das Rokokoschlösschen Veichtshöchheim samt weitläufigem Garten ist ebenso sehenswert wie die Eispause unterhalb der Karlsburg in Karlstadt. Bei Gemünden beginnt der Anstieg zum Burgberg, der nach einem Schiebeduell endet. Auf der Burg Rieneck wartet als Überraschung ein Zimmerupgrade – und Lagerfeuerromantik unter Sternen.
Etappe 6: Rieneck → Bad Hersfeld (135 km | hügelig bis flach)
Nach einer Geburtstagsfeier am Vorabend geht’s anfangs etwas gemächlich los – aber die Strecke entschädigt mit Schönheit: vorbei am Wasserschloss Burgsinn, später ein beeindruckender Nonstop-Abschnitt über 70 km bis Fulda.
Dort wird standesgemäß gespeist (Rahmschnitzel mit Spätzle) und der Dom besichtigt. Die Route verläuft anschließend entlang der Fulda durch Felder und Wälder – herrlich zu fahren. In Bad Hersfeld runden ein Altstadt-Spaziergang und ein Besuch der berühmten Stiftsruine mit Theaterproben den Tag ab.
Etappe 7: Bad Hersfeld → Hann. Münden (130 km | flach bis wellig)
Der Tag beginnt feucht, bessert sich aber schnell. Entlang der Fulda durchqueren die beiden Rothenburg und Melsungen, wo mit Blick auf zwei Döner-Pavillons pausiert wird.
In Kassel beeindrucken die gepflegten Parks, die Orangerie und eine wohlverdiente Eispause. Ziel des Tages ist Hannoversch Münden, wo Fulda und Werra zur Weser zusammenfließen. Die Unterkunft beim Künstler „Art-Hus“ und Pasta zum Abend machen den Tag rund – inklusive Abendspaziergang auf den Spuren von Dr. Eisenbarth.
Etappe 8: Hann. Münden → Hameln (150 km | flach)
Frühstart bei Nässe – doch mit der ersten Pause klart der Himmel auf. Über die Klosterkirche Bursfelde, Bad Karlshafen und Höxter (mit UNESCO-Welterbe Schloss Corvey) führt die Etappe tief hinein ins Weserbergland.
Ein Platzregen in Holzminden sorgt für eine spontane Pause im Radhaus. Danach stehen Bodenwerder (Heimat des Baron Münchhausen) und schließlich Hameln auf dem Programm – mit Rattenfänger-Brunnen, Fachwerk und Radler-Abendstimmung.
Etappe 9: Hameln → Nienburg (131 km | flach)
Sonntagmorgen startet mit Bäckerei-Enttäuschung – aber belegte Brötchen retten das Frühstück. In Rinteln wird die Nachtwächterstatue bewundert, dann der nächste Rückschlag: Die Drohne verabschiedet sich bei der Porta Westfalica mit unkontrolliertem Flug.
In Minden begeistert das Wasserstraßenkreuz, danach folgt eine abwechslungsreiche Strecke über alle Arten von Radwegoberflächen bis nach Nienburg – wo Spiegelei mit Bratkartoffeln das Tagesziel versüßt.
Etappe 10: Nienburg → Bremen (100 km | flach)
Fast schon Ruhetag: Der Tag beginnt mit Rührei und Cappuccino, unterwegs enttäuscht eine stillgelegte Seilbahn, aber eine Fährüberfahrt nach Verden hebt die Laune. In Bremen wartet die neu bestellte Drohne, das Weserstadion beeindruckt mit Solarfassade.
Abends: Stadtmusikanten, Rathaus, Schnoorviertel. Bremen punktet mit Flair, Technik und einer Prise Großstadt.
Etappe 11: Bremen → Cuxhaven (136 km | flach)
Der Morgen beginnt mit einem Platten – und Industrieambiente. Beim Stopp am Huntesperrwerk ergibt sich zufällig ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Brakes Partnerstadt Zwiesel – ein schöner Heimatbezug.
Nach einer Fähre nach Bremerhaven und einer zähen Schlussphase mit Gegenwind erreichen Marco und Marcus Cuxhaven – mit Sonnenuntergang an der Küste und der verdienten Portion Fisch.
Etappe 12: Cuxhaven → Büsum (151 km | flach & monoton)
Früh raus, früh nass – die Königsetappe im Regen. Entlang des Elberadwegs bei Schafen und Gattern, später durch Glückstadt per Fähre und Gespräche mit anderen Oberstdorfer Radlern. In Brunsbüttel wird zum letzten Mal der Nord-Ostsee-Kanal überquert.
Ein platter Reifen bei Kilometer 110 fordert noch einmal die Nerven. Am Ende: heiße Dusche und griechisches Essen – nach einer eisigen Schlussetappe.
Etappe 13: Büsum → Westerland (132 km | windig & feucht)
Über Tönning, Husum (Butterkuchen!) und Klanxbüll kämpfen sich die beiden bei Gegenwind und Regenschauern gen Norden. Eine Panne durch Glasscherbe wird im Team gelöst, schließlich folgt die Bahnfahrt über den Hindenburgdamm nach Sylt.
In Westerland: Pizza, McFlurry, Live-Musik – und das Gefühl, dem Ziel ganz nah zu sein.
Etappe 14: Westerland → Sylter Ellenbogen → List – Kampen – Morsum (80 km | flach & brav)
Die letzte Etappe ist ein emotionales Finale. Zuerst die Uwe-Düne mit Panoramablick, dann ein letzter Platten. Schließlich erreichen Marco und Marcus das Schild am nördlichsten Punkt Deutschlands – der Sylter Ellenbogen.
Wattbaden, Fotosession, Currywurst am Hafen von List. Zum Abschluss: Schnitzel und Germknödel – ein würdiges Ende einer außergewöhnlichen Tour.
Fazit: Radabenteuer mit Herz, Geschichte und Rückenwind
Was als Idee begann, wurde ein echtes Deutschlanderlebnis auf zwei Rädern. Marco vom TV Zwiesel und Marcus haben in 14 Etappen nicht nur Kilometer gemacht, sondern Geschichten gesammelt: über Landschaften, Städte, Pannen, Begegnungen, Wetterwechsel und Willensstärke.
Ihr Weg zeigt: Deutschland ist nicht nur ein Land mit Gegensätzen – es ist auch perfekt erlebbar per Rad.






















